PDF | Drucken | E-MailTeilen

Einwurf: Panikmache in Bielefeld

einwurf3-505x279

Mit angeblich „spektakulären“ Aktionen versucht der Verein  FoeBuD (Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e. V.) Maschinenstürmerei und Volksverdummung der ganz anderen Art. Statt, wie es seine selbstgestellte Aufgabe ist, Aufklärung zu betreiben, spricht er in der von vielen Medien verbreiteten Aktion vor einem Bekleidungshaus in Bielefeld von „Schnüffelchips“, „Gefahr für Kundinnen und Kunden“ und „verwanzten“ Kleidungsstücken.
Hier werden Tatsachen wider besseres Wissen verdreht und Kundinnen und Kunden bewusst in die Irre geführt, indem mit Halbwahrheiten und Verschwörungstheorieansätzen vorgespiegelt wird, dass ein RFID-Chip persönliche  Informationen enthält und die Kunden damit von beliebigen Personen, die ein RFID-Lesegerät besitzen, über Jahre hinweg ausspioniert werden können.

Das ist, so wie es dargestellt wurde, kompletter Unsinn. Der Chip enthält normaler Weise nur eine kodierte Nummer, mit der kein Fremder etwas anfangen kann. Die zusätzlichen Informationen zum Produkt sind zur Vereinfachung von logistischen Prozessen (z.B. im Lager, Kommissionieren, Versand, Verteilung der Kleidungsstücke in die Filialen) nur in den Systemen des Händlers OHNE KUNDENDATEN gespeichert. Der Einsatz dieser Technologie im Unternehmen verringert damit nicht nur Logistikkosten – in denen das Sparpotenzial unserer automatisierten Zeit liegt -, um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu sein. Es wird auch ein Angebot in den von den Kunden erwarteten Modellen in den richtigen  Mengen und richtigen Größen zum richtigen Zeitpunkt ermöglicht. Also eine Beseitigung von leider noch zu häufig anzutreffenden Engpässen, die zu einer echten Kundenzufriedenheit führt.

Natürlich muss jede neue Technologie geprüft werden, auf z.B. gesundheitliche Gefahren und in diesem Falle auch auf Datenschutz. Und natürlich ist der Schutz der persönlichen Daten ein hohes Gut und die Aufklärung der Kunden sehr wichtig. Eine Verbindung mit personenbezogenen Daten ist, ähnlich wie bei mit Barcode ausgezeichneter Ware, nur mit Kundenbetreuungssystemen wie Payback möglich, bei der aber der Kunde sein Einverständnis erteilen muss. Als Kunden haben wir es also selbst in der Hand, wie viel wir von unseren Daten wem geben.

Die Forderung nach entsprechender europäischer Gesetzgebung, die bei der Bielefelder Aktion laut wurde, ist bereits Wirklichkeit.  So wurde der Anfang schon vor gut einem Jahr gemacht. Am 06. April 2011 wurde das PIA-Framework  europaweit als ein Regelungsrahmen zum Datenschutz verabschiedet. Es enthält die Selbstverpflichtung von RFID-Anwendern zur Gewährleistung des Datenschutzes. Mit diesem Werk,  das von RFID-Lösungsanbietern, Anwenderunternehmen, der GS1 und Datenschützern erarbeitet wurde, konnten erstmalig die Grundlagen für den sicheren Einsatz von RFID in ganz Europa geschaffen werden. Was dem FoeBuD wiederum entgangen sein dürfte, denn erstaunlicherweise findet sich auch auf der Website kein offensichtlicher Hinweis.

RFID-Technologie ist Fortschritt. Und uns, als Verband der Lösungsanbieter, geht es nicht um eine „Inventarisierung des Menschen“; es geht um eine „Inventarisierung der Dinge“. Wir reden hier von einer Technologie, die Prozesse vereinfachen kann, Unternehmensabläufe rationalisiert, Zeit- und Kostenersparnis bringt und gerade für den Mittelstand ein wichtiges Instrument ist, im Wettbewerb zu bestehen.

Mit dieser Aktion hat FoeBuD allerdings nach meiner Meinung nicht zur Aufklärung sondern zur Panikmache beigetragen. Was eigentlich nicht sein Anliegen sein dürfte, will er doch, wie selbst zielgebend formuliert „die Technik und Politik kritisch erkunden und menschenwürdig gestalten“. Denn Einseitigkeiten, schlechte Recherchen, Unwahrheiten und Halbwahrheiten dienen nur dem, der die Unwissenheit anderer ausnutzen kann, um etwas loszutreten, aber nicht der Diskussion.

Wie bei allen fortschrittlichen Errungenschaften ist auch ein Missbrauch nicht ausschließbar. Aber der Einsatz von RFID ist in diesem Zusammenhang keine Frage von Fluch oder Segen, sondern eine der Ethik, der Verantwortung und des Gewissens. Und dafür setzen wir uns insbesondere im Rahmen der RFID Fachgruppe des BITMi ein.

Ihr Harald Dittmar

Geschäftsführer syspro